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Norwegen, Jahr zwei

Die zweite Meeresangeltour: weniger Fisch, mehr Sonne, zwei schlaflose Nächte unterwegs — und derselbe Effekt, für den sich die Fahrt gelohnt hat.

Von Georg Malahov

Ich bin zurück aus Norwegen. Heute ist Mittwoch, der 10. Juni, ich fahre zur Arbeit und versuche, die Woche zu einer Geschichte zusammenzusetzen.

Das Angeln war dieses Jahr eine Zwei, keine Eins. Wobei im Großen und Ganzen alles perfekt lief: Wir sind zurückgekommen — das allein ist schon eine Leistung —, niemand ist zu Schaden gekommen, der Verbandskasten blieb zu. Es gab einfach deutlich weniger Fisch als letztes Jahr. Es gab einen Tag, an dem wir ihn den ganzen Tag gesucht und fast nichts gefunden haben; und einen Tag, an dem der starke Wind das Boot so weit abgetrieben hat, dass wir anderthalb Stunden durch die Wellen zurückgetuckert sind. Dafür habe ich einen Trophäen-Dorsch mit sechs Kilo gefangen — aus seinem Kopf gab es Fischsuppe. Und unser Soll haben wir trotzdem erfüllt.

Über die Steine — jeder Schritt will geprüft sein

Was dieses Angeln mit dem Kopf macht, habe ich diesmal genauer verstanden. Alles dort ist meditativ. Im Boot: Rute hoch, Rute runter, absenken, anheben, zupfen, Stelle wechseln — und so den ganzen Tag: Konzentriert über etwas nachzudenken ist unmöglich. Dann das Putzen: Fließband, jeder an seinem Platz, wir machen nicht mal Musik an und reden kaum — einfach mechanisch, zack, zack, zack. Sogar eine Sprachnotiz aufzunehmen fällt schwer: Man versucht, die Gedanken zu sammeln — und es klappt nicht. Einmal bin ich am Ufer spazieren gegangen, und dort war es genauso: Man geht über die Steine, jeden Schritt muss man setzen, der Wind schubst einen in Böen. Ich musste an meine Spaziergänge in Karelien denken — nur gab es dort am Ufer Heidelbeeren und Rauschbeeren, und hier sind es Steinchen, Gras und Algen.

Die Rückfahrt — zwei schlaflose Nächte: um drei Uhr nachts los, Fähre, ganz Schweden, Dänemark, wieder Fähre. Zu Hause war ich wieder bei der Familie — alles gut. Ich habe den Fisch in die Gefriertruhe einsortiert, mich frisch gemacht und abends die Mitbringsel verteilt.

Der Urlaub war gelungen. Erst eine Woche ist vergangen, aber es fühlt sich nach mehr an. Der Kopf hat komplett umgeschaltet: Ich kann mich gerade kaum erinnern, was meine Pläne sind und was zu tun ist — der Urlaubseffekt ist unübersehbar. Buchstäblich im Gesicht: Sonne gab es diesmal überraschend viel, die Nase ist verbrannt. Körperlich habe ich mich allerdings nicht erholt — der Schlafmangel unterwegs und die späten Abende mit dem Fisch haben ihren Preis gefordert. Das wird durch anderes aufgewogen, so ist das eben.

Sonne gab es diesmal überraschend viel

Eindrücke gab es etwas weniger als beim ersten Mal: dieselbe Strecke, dieselben Leute, derselbe Ort, dasselbe Zimmer und Bett. Deshalb fahren wir nächstes Jahr an einen neuen Ort — auf eine Insel, wo das Wasser tiefer ist und man eine andere Ausrüstung fürs Tiefseeangeln braucht. Bleibt noch: das Gerät mit Süßwasser abspülen, damit es nicht leidet, gründlich trocknen, durchrechnen, was nachzukaufen ist, und die Liste speichern — damit ich in einem Jahr nicht wieder bei null anfange.