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Forelle zum Abendessen

Ein Samstag mit frühem Aufstehen, einem Optimisten als Freund und einem Teich, an dem nichts beißt. Ein Tag ohne eine einzige Zeile Code — und einer, der besser in Erinnerung bleibt als viele Arbeitstage.

Von Georg Malahov

Heute im Dunkeln aufgestanden und mit einem Freund zum Angeln gefahren. Wir sitzen seit dem frühen Morgen — es beißt überhaupt nichts. Mein Freund erzählt wie immer, dass die Forelle jede Minute beißen wird. Das Problem ist: Wenn wir zusammen fahren, sind alle Gesetze der Physik und der ganzen Angelei außer Kraft gesetzt. „Macht nichts“, sagt er, „bis Mitternacht fangen wir bestimmt noch was.“ Zeit haben wir im Prinzip genug — einen ganzen Tag und die Nacht dazu. Ich habe diesen Satz von ihm direkt am Ufer als Sprachnotiz aufgenommen, damit er nicht verloren geht.

Bis Mitternacht mussten wir nicht warten: Die Forelle hat am Ende doch gebissen, und ich bin nicht mit leeren Händen nach Hause gekommen. Danach rollte der Tag als Familientag weiter: In der Stadt war Jahrmarkt, meine jüngere Tochter hat sich an den Karussells sattgefahren, wir sind über den Platz gebummelt, haben Eis gegessen, geschaukelt. Meine Frau bereitete sich derweil auf ihr Shooting vor und suchte ein Arbeitsoutfit. Die Ältere war allein zu Hause geblieben und hatte sich schon Sorgen gemacht, dass wir so lange nicht kommen — das Telefon hatten wir ja bei ihr gelassen. Wir haben sie abgeholt, sind noch zusammen spazieren gegangen, und alles hat sich wieder eingerenkt.

Abends habe ich die Forellen vom Morgen gebraten. Zwei davon wollte ich meiner Mutter abgeben — sie hatte versprochen, sie abzuholen, kam lange nicht, wir hatten schon aufgehört zu warten, und dann stand sie doch da, hat mit uns zu Abend gegessen — unsere Forellen und die Salate — und die Jüngere zum Übernachten mitgenommen. Heißt: Morgen haben wir einen Tag zu zweit, die Ältere und ich.

Mir ist aufgefallen, dass solche Tage besser im Gedächtnis bleiben als viele Arbeitstage. Unter der Woche verschwimmt alles: Bildschirm, Aufgaben, Calls. Und hier — ein kalter Morgen, eine Pose, die sich stundenlang nicht rührt, ein Freund mit seinen Prognosen, und abends in der Pfanne ein Fisch, den man selbst gefangen hat. Keine Zeile Code, keine einzige erledigte Aufgabe — und trotzdem das Gefühl eines gelebten Tages, nicht eines verbrauchten.

Die Forelle war übrigens lecker. Den Freund nehmen wir nächstes Mal wieder mit — Angelgesetze hin oder her, mit ihm ist es lustiger.