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Für wen ist dieses Produkt überhaupt

Werbung in zehn westeuropäischen Ländern geschaltet, und die Leute deinstallieren die Extension mit den Worten, es sei nicht das, was sie erwartet haben. Ich gehe die Zahlen durch, wechsle von Werbung zu SEO und finde einen Konkurrenten mit dreitausend Nutzern.

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Von Georg Malahov

Vor zwei Wochen habe ich endlich Werbung für die EU geschaltet — zehn westeuropäische Länder ausgewählt, geschaltet auf Keywords wie live transcribe und Google live transcribe. Der erste Tag lief normal: Die CTR ist nicht eingebrochen, die Werbung funktioniert, Leute kommen und installieren die Extension. Und dann wird es seltsam. Ein Teil installiert einfach und tut nichts. Und ein Teil deinstalliert — und schreibt ins Feld „Warum“ immer dasselbe: nicht das, was ich erwartet habe.

Genau diese Formulierung hat mich gepackt. Die Keywords sind aus meiner Sicht nicht schlecht, durchaus zielgenau. Es bricht also nicht am Eingang, sondern irgendwo an der Naht zwischen dem, was sich jemand vorgestellt hat, und dem, was er dann geöffnet hat. Und ich weiß bis heute nicht, was genau er sich vorgestellt hat. Ich habe vor, den Leuten, die deinstalliert haben, einfach zu schreiben und zu fragen. Vielleicht liegt genau da der Schlüssel zum Product-Market-Fit, denn meine eigenen Vermutungen liegen offensichtlich daneben.

Parallel habe ich mich an die Daten gesetzt — zum Glück kann man ihnen nach der reparierten Attribution jetzt trauen. Das Bild ist sehr ernüchternd. Die aktivsten Nutzer sind die organischen — die von selbst über die Google-Sidebar gekommen sind. Die aus der Werbung, vor allem aus Indien, rühren sich kaum: installiert, und das war’s. Ich habe also für Traffic bezahlt, der schlechter ist als der kostenlose. Und als eigener Punkt: Über sechzig Prozent der Leute stoßen auf die Paywall und drehen um.

Daraus drängt sich ein Wechsel der Quelle auf. Mir schreiben regelmäßig Leute mit Angeboten, die Extension zu promoten, Preis: rund zweihundert Euro — genau so viel, wie ich im ganzen Monat für Werbung ausgegeben habe. Nur gäbe es dort SEO-Optimierung statt verbrannter Klicks. Außerdem denke ich über Product Hunt und einen Artikel nach. Das Tagesbudget der Werbung werde ich kürzen.

Außerdem habe ich die Extension einem Bekannten gezeigt. Viel gebracht hat es nicht — er ist schlicht nicht die Zielgruppe, er hat nichts zu transkribieren. Und dabei habe ich mich bei dem Gedanken ertappt, dass ich das Produkt immer noch jedem zeige — Bekannten, Kollegen, wem auch immer. Etwas bringen aber nur Gespräche mit denen, die es wirklich brauchen.

Und zum Ende der Woche bin ich auf einen Konkurrenten gestoßen. Eine Extension, fast eins zu eins meine, im August 2025 gestartet, dreitausend Nutzer. Genau die Nische, die ich für meine und für still gehalten hatte. Der Markt ist viel dichter, als ich es mir ausgemalt hatte, und obendrein gehen die Kosten von Software insgesamt gegen null — etwas Ähnliches kann heute jeder in ein paar Wochen bauen. Das ist wohl der größte Fehlschlag dieser Wochen: Ich habe ein halbes Jahr etwas gebaut, das jemand früher und schneller gebaut und schon an dreitausend Menschen verteilt hat.

Ich gebe zu: Mir geht langsam ein wenig die Kraft aus. Deshalb lautet die Entscheidung: loslassen. Das Produkt eine Weile sein eigenes Leben leben lassen, Bewertungen sammeln lassen, aufhören, endlos daran herumzubauen. Nur noch mit der Zielgruppe reden, nur mit Menschen, nicht mit dem Interface. Ich selbst wechsle vorerst zu einem anderen meiner Projekte.

Ob diese Wette aufgeht, zeigt sich in ein paar Monaten: Wenn das Produkt ohne Werbung, allein mit SEO und Organik, von selbst auf dieselben fünfzig Aktiven pro Woche kommt, dann habe ich die ganze Zeit einfach die falschen Leute eingekauft und hätte den bezahlten Traffic früher verlassen sollen. Wenn nicht und der Traffic auf null zusammenfällt, dann liegt es nicht an der Quelle, sondern daran, dass ich nie verstanden habe, für wen das ist.

Jetzt gehe ich erst mal den Leuten schreiben, die deinstalliert haben — das scheint die einzige Quelle der Wahrheit zu sein, die mir geblieben ist.